Pfotenpflege, aber richtig

Der Winter ist da, mit ihm Splitt, Schnee, Eis und im schlimmsten Fall sogar Salz auf unseren Wegen. Höchste Zeit, sich einmal ausführlich mit den Pfoten unserer Hunde und deren Pflege zu beschäftigen.

Bei Hundepfoten ist es kaum anders als bei unseren Füßen: Wir brauchen sie für alles, was Spaß macht, für Toben, Rennen und Wandern zum Beispiel. Trotzdem kümmern wir uns meist erst um sie, wenn etwas tatsächlich „schiefläuft“. Dabei sollten wir ihnen schon vorher mehr Aufmerksamkeit schenken. Verdient haben sie`s.

Es beginnt mit scheinbar simplen Dingen: Wenn die Krallen zu lang sind, müssen sie geschnitten werden. Klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. In ihrer Praxis sieht Tierärztin Stephanie Rothin viele Hunde mit erheblichen orthopädischen Problemen – weil sie wegen zu langer Krallen eine Fußfehlstellung entwickelt haben.

Die folgenden Tipps und Hintergrundinfos helfen dir, schmerzende Pfoten und Schlimmeres zu vermeiden – und die Füße deines Hundes (und deine eigenen) zu feiern 😊.

Hundepfoten – echte Wunder

Anders als wir Menschen laufen Hunde nur auf ihren Zehen. Das macht sie sprungkräftiger, schneller und wendiger und dämpft obendrein Stöße ab. Hundepfoten sind also so etwas wie Füße und Top-Laufschuhe in einem.

An den Vorderpfoten besitzen Hunde fünf Zehen, an den Hinterpfoten in der Regel vier. Viele große Hunderassen verfügen auch an den Hinterläufen über eine weitere Zehe, die so genannte Wolfskralle, Hubertuskralle, Afterkralle oder auch Wolfsklaue. Oft ist sie mit der Haut verwachsen, in manchen Fällen jedoch als eigenes Gliedmaß angelegt inklusive eigener Zehenknochen und Zehengelenk.

Die fünfte Zehe an den Vorderpfoten, die so genannte Daumenkralle, sitzt wie die Wolfskralle deutlich über der eigentlichen Pfote. Sie ist immer ein eigenständiges Gliedmaß mit knöcherner Verbindung zum Skelett.

Übrigens: Wölfe haben gar keine Wolfskralle.

Neben der reinen Fortbewegung dienen Hundefüße auch als wichtiges Sinnesorgan. Über die Pfoten erfährt der Hund viel über seine Umgebung und in welcher Situation er sich gerade befindet. Zum Beispiel, ob er sich auf schwankendem Grund bewegt und also aufmerksamer sein muss oder auch wie kalt es wirklich ist.

Darüber hinaus hinterlässt ein Hund über die Schweißdrüsen in seinen Pfoten mit jedem Schritt seine persönliche Duftmarke.

Was leisten die Ballen?

Auf der Unterseite der Pfoten finden sich je vier Fingerballen, ein Hand- und ein Handwurzelballen. Die Ballen bestehen vorwiegend aus Hornhaut und Fett. Darum sind die Ballen gesunder Pfoten robust und trotzdem geschmeidig. Die Ballen gleichen Unebenheiten im Boden – Steine, Geröll und scharfe Felskanten – aus und schützen so die Pfoten vor Verletzungen.

Was leisten die Krallen?

Krallen funktionieren wie Stollen an Fußballschuhen. Sie sorgen für zusätzlichen Grip bergab, bergauf und auf rutschigem Gelände.

Wozu dient die Daumenkralle?

Die Daumenkralle an den Vorderpfoten ist kein Anhängsel, sondern immer ein eigenständiges Gliedmaß mit Zehenknochen und Zehengelenk, fest verbunden mit dem Skelett. Der Hund nutzt sie, um beispielweise einen Knochen oder Stock einzuklemmen und festzuhalten.

Wozu dient die Wolfskralle?

Die Funktion der Wolfskralle gibt Forschern Rätsel auf. Die Wolfskralle berührt nie den Boden, außer wenn der Hund einen Sprint hinlegt. Manche vermuten, dass auch die Wolfskralle zur Stabilität beiträgt. Sie kann ein eigenes Gliedmaß sein, aber auch ein „Anhängsel“ ohne eigene Zehenknochen und Zehengelenke. Aber auch in diesem Fall sollte man sie dem Hund nicht ohne Not (infolge einer Verletzung) abnehmen.

Pfotenpflege im Winter

Genau wie unsere Füße werden auch Hundepfoten stark beansprucht – insbesondere dann, wenn du und dein Hund häufig lange Wanderungen auf anspruchsvollem Gelände unternehmt. Mit seinen natürlichen Superpfoten und Training sollte dein Hund gut damit zurechtkommen. In diesem Fall sind seine Ballen glatt, ihre Oberfläche ohne Risse.

Aber gerade in den Wintermonaten setzen Kälte, Eis, Schnee, Splitt oder gar Streusalz den Ballen besonders zu. Die Folge: Etliche Hunde haben jetzt mit sehr trockenen, rauen und rissigen Ballen zu kämpfen.

Das hilft jetzt den Pfoten:

Gegen raue und rissige Ballen

…hilft ein Pfotenbalsam. Eine natürliche Alternative ist Kokosöl. Auch Lachsöl, dem Futter beigemischt, soll die Ballen geschmeidiger machen.

Vor Schneeklumpen schützen

Experten nennen es „Aufstollen“: Eis setzt sich an den Pfoten fest, bildet große Klumpen, die dem Hund schmerzen. Um das zu vermeiden, sollte das Fell an den Pfoten möglichst kurzgehalten werden und vor dem Schneespaziergang mit ordentlich Fett eingerieben werden, zum Beispiel Vaseline oder Melkfett (ohne Parfum oder weitere Zusätze). So kann Eis nicht anhaften.

Nach jedem Schneespaziergang

… Pfoten lauwarm abwaschen und so von Splitt und Salz befreien. Auf Verletzungen kontrollieren.

Pfoten trocken halten

Die Pfoten – insbesondere die Haut zwischen den Zehenzwischenräumen sollten nicht dauerhaft feucht sein. Denn das erhöht das Risiko für Entzündungen und wunde Stellen. Gegen kleinere Verletzungen an der Pfote, die der Hund immer wieder mit der Zunge bearbeitet und also ungesund feucht hält, hilft Wasserstoffperoxid. Es reinigt die Wunde von Bakterien und beschleunigt den Heilungsprozess

Wenn sich dein Hund unterwegs an den Pfoten verletzt, kannst du ihm mit einem Pfotenverband wieder soweit auf die Beine bringen, bis ihr daheim oder beim Arzt seid. Mehr dazu erfährst du hier.

 


Die häufigsten Fragen – und die Antworten der Tierärztin

Wann sind die Krallen deines Hundes zu lang? Kannst du die Krallen selber schneiden? Und wann sollte dein Hund Schuhe tragen? Antworten auf die wichtigsten Fragen gibt Tierärztin Dr. Stephanie Rothin.

 

Stephanie Rothin, eignen sich Hundepfoten für jeden Untergrund?

Wenn man an den Wolf als Vorfahren unserer Hunde denkt, wird schnell klar, dass die Pfoten nicht für Asphalt und Rollsplit gemacht sind. Auch das im Winter verwendete Salz sollte nach jedem Spaziergang mit einem feuchten Lappen abgewaschen werden.

Sind bei winterlichen Bedingungen Schuhe sinnvoll?

Eis und Schnee halten Hundepfoten unter normalen Bedingungen gut aus. Schuhe würde ich nur empfehlen, wenn ein Hund eine Verletzung oder ein anderes akutes Problem mit einer oder mehreren Pfoten hat. Oder natürlich bei extremen Anforderungen, wie einem Schlittenhunderennen oder ähnlichem.

Wie kann ich vermeiden, dass sich Schnee- und Eis zwischen den Zehen sammeln und den Hund beim Laufen stören?

Die Haare zwischen den Pfoten sollten sehr kurz gehalten werden. Das ist insbesondere bei langhaarigen Hunden wichtig. Sollte Ihr Hund trotzdem Probleme haben, kann man vor dem Spaziergang etwas Vaseline oder einen Pfotenbalsam auftragen.

Im Sommer, auf hartem Untergrund läuft mein Hund sich die Krallen immer ab, was ist im Winter zu beachten?

Jahreszeitenunabhängig neigen manche Hunde dazu, sich ihre Krallen nicht selbst ablaufen zu können. Manchmal entwickeln Hunde dieses Problem auch im Alter.

Wie lang dürfen die Krallen denn sein, egal ob Sommer oder Winter?

Als Faustregel gilt, dass die Krallen den Boden nicht berühren sollten, wenn der Hund normal steht.

Woran erkenne ich, dass die Krallen zu lang sind?

Zu lang sind die Krallen, sobald sie den Boden berühren. Dadurch verändert der Hund seine Fußstellung, was tatsächlich große orthopädische Probleme nach sich ziehen kann. Das sehe ich in meiner Praxis sehr häufig.

Selber schneiden oder schneiden lassen?

Im Prinzip kann man die Krallen seines Hundes selber schneiden. Wichtig ist dabei nur das richtige Werkzeug. Wenn man unsicher ist, kann man sich das Krallenschneiden auch einmal von seinem Tierarzt zeigen lassen. Zu beachten ist, dass Nerv und Blutgefäß in der Kralle mitwachsen. Das heißt sehr lange Krallen kann man nicht mit einem Schnitt auf die richtige Länge kürzen. Hier muss man mehrmals 2-3 mm kürzen, dann ziehen sich auch Innervation und Blutversorgung wieder zurück.

Was ist mit der Wolfs- oder Afterkralle und dem damit verbundenen Verletzungsrisiko. Dran lassen oder entfernen?

Ganz klar dranlassen. Auch hier muss natürlich darauf geachtet werden, dass die Kralle nicht zu lang wird. So kann man auch das Risiko einer Verletzung minimieren.

Tierärztin Dr. Stephanie Rothin mit Pferd und Hund

Dr. Stephanie Rothin ist Tierärztin aus München. Nach Examen und Promotion hat sie sich intensiv mit integrativen Therapiemöglichkeiten beschäftigt. Durch ihr Studium und ihre ergänzende Ausbildung an der International Academy of Veterinary Chiropractic ist sie spezialisiert auf Erkrankungen des Bewegungsapparats und deren schonende Behandlung.

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